Wir verwenden Cookies um Ihnen bestmöglichen Service zu bieten. Indem Sie diese Seite nutzen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

„Reallabor Schorndorf: Zukunftsweisender Öffentlicher Verkehr – Bürgerorientierte Optimierung der Leistungsfähigkeit, Effizienz und Attraktivität im Nahverkehr“

 „Reallabor Schorndorf: Zukunftsweisender Öffentlicher Verkehr – Bürgerorientierte Optimierung der Leistungsfähigkeit, Effizienz und Attraktivität im Nahverkehr“
OV-055 2018 Bürgerworkshop in Schorndorf

Ziele/Ideen

Angesichts ansteigender Verkehrsnachfrage und damit einhergehender Umweltbelastung gewinnt die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte zunehmend an Bedeutung. Der ÖPNV kann hier einen bedeutenden Beitrag leisten. In Schorndorf zeigt sich ein grundsätzliches Dilemma: hohe Taktung und viele Routen sind teuer und führen in Schwachlastzeiten zu Leerfahrten, die mit unnötigen Emissionen von Lärm, Schadstoffen und Treibhausgasen verbunden sind. Ein niedriger Takt bzw. wenige Routen sind jedoch unattraktiv für die Fahrgäste. Lösungsansatz: ein bedarfsgerechter Betrieb.
Mittels eines nachfrageorientierten, an den Anforderungen und Bedürfnissen der BürgerInnen orientierten Bussystems, dessen Routen durch Algorithmen gestützt sind und hinsichtlich der Fahrtwünsche optimiert wurden, können direkte und indirekte Vorteile für die Umwelt und Bewohnerschaft erzielt werden. Ziel ist neben den direkten Vorteilen, wie der Vermeiddung von Leerfahrten, langfristig den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr hin zu effizientem ÖPNV zu fördern.
Herauszustellen ist, dass der Schwerpunkt des Vorhabens nicht auf den vielfach fokussierten Early Adoptern oder auf einer metropolitanen Stadt liegt, sondern sich das Augenmerkt auf eine kleinstädtische Kommune im ländlichen Raum richtet, die mit ihrer spezifischen Siedlungs- und Bewohnerstruktur sowie den anstehenden Herausforderungen (z.B. demografischer Wandel) prototypisch für viele Kommunen und Gemeinden in Deutschland (und Österreich) ist. Das Projekt unterstützt mithilfe der Digitalisierung das Vorantreiben des Wandels der Mobilität und zeigt, dass sich der ÖPNV umwelt- und sozialverträglicher sowie effektiver gestalten lässt. Die gewonnen, praxisorientierten Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen haben demzufolge eine hohe Relevanz für eine Vielzahl von Kommunen.

Kurzbeschreibung

Unter Einbindung der BürgerInnen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Stadt Schorndorf wird ein haltestellenloses, bedarfsorientiertes Buskonzept ohne feste Routen für den ÖPNV entwickelt. Das Betriebskonzept wird seit März 2018 in Schorndorf erprobt. Zwei reguläre Buslinien werden durch Kleinbusse ersetzt, die auf Bestellung (per App, Telefon und PC) fahren.
Forschungsfragen:
-Wie kann ein an den Bedürfnissen der NutzerInnen orientiertes Bedienkonzept im ÖPNV aussehen?
-Wie können die NutzerInnen zu Co-Designern im Entwicklungsprozess eingebunden werden?
-Welche Herausforderungen bergen die mit dem Bedarfsbus verbundenen technischen und gesellschaftlichen Veränderungen?
-Wie kann ein Fahrzeug für den Einsatz als Bedarfsbus aussehen?
Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines ökologisch nachhaltigen und attraktiven Mobilitätsangebots. Es besteht das Potenzial, dass die hohe Attraktivität des flexiblen ÖPNV-Angebots zu einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs führt.

Resultate

Das Projekt „Reallabor-Schorndorf“ rückt den ÖPNV als innovativen und umwelt-bewussten Verkehrsträger in den Fokus. Es wurde ein flexibles Buskonzept entwickelt, inklusive Routingalgorithmus, spezifischer Smartphone-Applikationen für Fahrgäste und Busfahrer und umfassender Umsetzung einer breiten Öffentlichkeitsarbeit.
Die entwickelte Systemarchitektur beinhaltet Schnittstellen zwischen BusfahrerInnen, Leitstelle und KundInnen und ist ein zentrales Resultat der ersten Projektphase. Die Routen des Bedarfsbusses können dadurch dynamisch angepasst werden.
Im März 2018 wurde der Bedarfsbusbetrieb von Freitagnachmittag bis Sonntagnacht in Realumgebung eingeführt und ersetzt dabei den bisherigen Linienbetrieb zweier Buslinien. Da der Bus im Bedarfsbusbetrieb nur noch auf Bestellung fährt, werden Leerfahrten vermieden. Der Bedarfsbus ist in den bestehenden ÖPNV integriert und nutzbar für alle Fahrgäste, ohne Beschränkung auf ausgewählte Probanden. Insgesamt wurden bereits über 4600 Fahrgäste transportiert (Stand 3.6.2018). Der Anteil der Buchungen per Smartphone App liegt bei ca. 65 %. Um auch Personen ohne Mobiltelefon die Busbestellung unterwegs zu ermöglichen, ist eine Bestellung über zahlreiche Kooperationspartner (z.B. Cafés, Läden, Krankenhaus, Schwimmbad) möglich.

Durch das bedarfsgerechte und flexible Buskonzept wird das Fahrtaufkommen an die tatsächliche Fahrgastnachfrage angepasst, durch eine optimierte Streckenführung und umweltfreundliche Fahrzeugkonzepte mit alternativen Antriebstechnologien werden Ressourcen geschont und insgesamt die Attraktivität des ÖPNV gesteigert. Das Ergebnis des Reallabors ist somit ein in der Gesamtheit abgestimmtes und an den Bedürfnissen der NutzerInnen orientiertes Verkehrskonzept im ÖPNV. Dies nutzt somit den Fahrgästen, deren Bedürfnisse Berücksichtigung finden, der Umwelt, die durch entsprechende Fahrzeugkonzepte und Ressourceneinsparungen entlastet werden kann sowie der Stadt, die langfristig durch ein attraktives ÖPNV-Angebot motorisierten Individualverkehr reduzieren und somit die Lebensqualität in der Stadt steigern kann.

Nach den ersten zwei Monaten Pilotbetrieb kann das Transformationspotential der Mobilitätskultur in Schorndorf noch nicht adäquat abgeschätzt werden. Ob sich über Jahrzehnte etablierte Routinen und Gewohnheiten über den Faktor Zeit verändern lassen, gilt es bis Ende des Projektes (Januar 2019) herauszufinden. Neben der Befragung und Beobachtung der Bus-(Nicht-)NutzerInnen sowie der Datenauswertung (Buchungssystem, Routingalgorithmus) werden Gespräche mit institutionalisierten Stakeholdern (GemeinderätInnen, VerbändevertreterInnen, VerwaltungsmitarbeiterInnen, Oberbürgermeister) Erkenntnisse darüber liefern, ob das Potential eines Mobilitätswandels in Schorndorf erkennbar ist und anhand welcher Kriterien dies gemessen werden kann. Auch wenn das neue Bussystem in quantitativen Zahlen gemessen (Fahrgastzahlen, Kosten) keinen unmittelbaren Erfolg zeigen sollte (zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich), entsteht durch die angestoßene Auseinandersetzung und Diskussion um das Thema Mobilität Ziel- und Transformationswissen für einen nach-haltigen Wandel. Die durch das Realexperiment ausgelösten Impulse haben das Potential gesellschaftlichen Fortschritt in der Bevölkerung zu befördern. Im Idealfall tragen sie zu einer nachhaltigen Transformation der Mobilität in Schorndorf oder vergleichbaren Kommunen bei.

Einreicher

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Frau Laura Gebhardt Rutherfordstraße 2, 12489 Berlin laura.gebhardt@dlr.de 03067055629

Partner

Universität Stuttgart, Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS): Mitarbeit (Bürgerbeteiligung)

auf Facebook teilen twittern