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Modal Push - Kombinierte Verkehrs- und Raumentwicklung in Gratwein-Straßengel

Modal Push - Kombinierte Verkehrs- und Raumentwicklung

Ziele/Ideen

Die Gemeinde Gratwein-Straßengel liegt mit rund 13.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in den Top 10 der einwohnerstärksten steiermärkischen Gemeinden. Prognosen für 2030 errechnen einen weiteren Zuwachs von rund 850 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Siedlungsräume der Marktgemeinde sind dabei strukturell unterschiedlich: während die dicht besiedelten Ortskerne in Tallage der Mur Vorstadtcharakter aufweisen, sind weiter entfernt die ländlichen Hanglagen dispers besiedelt. Die steiermärkische Gemeindestrukturreform 2015, bei der die heutige Gemeinde Gratwein-Straßengel aus vier ehemaligen Gemeinden geformt wurde, untermauerte und vereinfachte eine ganzheitliche Betrachtung der Mobilitätsbedürfnisse dieser neuen größeren Gemeinde.
Die nahegelegene Landeshauptstadt Graz (von Zentrum Gratwein-Straßengel nach Zentrum Graz rund 16 km) ist für viele Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde wichtiges Ziel für Arbeit, Erledigung oder Freizeit. Hinzu kommt reger Austausch mit der Nachbargemeinde Gratkorn, welcher über die Grenzen der Mur hinweg, Verkehr erzeugt.
Durch das Programm „Modal Push“ werden gezielte Maßnahmenbündel umgesetzt, welche auf die gemeindestrukturellen Unterschiede, den zu erwartenden Bevölkerungs- und Entwicklungsschub sowie den regen Austausch mit der steiermärkischen Landeshauptstadt und der Nachbargemeinde Gratkorn eingehen. Dabei soll die Erreichbarkeit wichtiger Ziele innerhalb und außerhalb der Gemeinde mit umweltverträglicheren Mobilitätswerkzeugen für alle Bürgerinnen und Bürger sowie Besucherinnen und Besucher verbessert werden.

Kurzbeschreibung

Das übergeordnete Programm „Modal Push“ der Marktgemeinde Gratwein-Straßengel beinhaltet eine Vielzahl von Maßnahmen, welche aktiv dazu beitragen, den Verkehrsanteil im Umweltverbund zu steigern und die Notwendigkeit Wege mit dem privaten Kfz zurückzulegen zu verringern.
Die umgesetzten bzw in Umsetzung befindlichen Maßnahmen sind thematisch, räumlich und zielgruppenspezifisch in Projekten strukturiert und greifen in Schnittstellen ineinander.
Teilprojekte dieses Programmes sind beispielsweise
- buchmi: E-Carsharing (in Betrieb)
- rufmi: Mikro-ÖV (in Betrieb)
- Zuzahlung „Zonendifferenz“ (in Betrieb)
- ein Radverkehrskonzept (in Ausarbeitung)
- Multimodale Knoten (in Ausarbeitung)
Ein weiterer wesentlicher Baustein ist das Gesamtverkehrskonzept. Dieses fließt als integrativer Bestandteil in die Neuauflage des örtlichen Entwicklungskonzepts ein u. beeinflusst so auch den Flächenwidmungsplan. Damit gelingt erstmals eine rechtlich-verbindliche Grundlage in Punkto Verkehrsentwicklung.

Resultate

Teilprojekt: Zonendifferenz (in Betrieb)
Durch die Gemeindestrukturreform im Jahr 2015 entstand die Situation, dass die beiden in der heutigen Gemeinde liegenden Bahnhaltestellen in unterschiedlichen Zonen im Zonenplan des steirischen Verkehrsverbunds liegen. Eine Fahrt von Graz nach „Gratwein-Straßengel“ ist somit teurer als eine Fahrt nach „Judendorf-Straßengel“ obwohl die beiden Haltestellen räumlich im selben Gemeindegebiet liegen. Die Gemeinde beschloss, als pragmatische Lösung, den Bürgerinnen und Bürgern die Dauerkartenbesitzer sind, die Differenzkosten zwischen den beiden Zonen zurückzuerstatten. So können vor allem Pendlerinnen und Pendler nun von beiden Bahnhaltestellen zum selben Preis in die Landeshauptstadt mit der Bahn reisen.
Derzeit nutzen rund 160 Personen pro Jahr dieses Angebot.

Teilprojekt Mikro-ÖV „rufmi“ (in Betrieb):
Das erste Betriebsjahr von 1.3.2017 bis 28.2.2018 verlief überaus erfolgreich (der vorangegangene Pilotversuch ab Mitte September 2016 hat bereits zur Bekanntheit des Mikro-ÖV Angebotes beigetragen):
Insgesamt nutzten im ersten Betriebsjahr rund 3.600 Personen das Mikro-ÖV Angebot rufmi. Im Mittel ist ein deutlicher Anstieg der Fahrgäste seit Betriebsbeginn festzustellen. Insbesondere zwischen 9 und 10 Uhr bzw. zwischen 13 und 14 Uhr wird der rufmi am häufigsten genutzt. Insgesamt wurden im ersten Betriebsjahr etwa 33.300km zurückgelegt.
In einem Fahrtenbuch werden bestimmte Informationen vom Fahrer festgehalten (Wegezweck, Fahrgast, Zeit, Entfernung, Kosten). Im Jahresschnitt nutzen die Fahrgäste den rufmi für folgende Zwecke: Ausbildung (16%), Erledigung (42%), Freizeit (34%), Arbeit (5%).
Im ersten Betriebsjahr sind 88% der Fahrgäste mit dem Bus entweder in die oder aus den Zentren von Gratwein-Straßengel gefahren, d.h. es wurden die Verknüpfungspunkte angefahren. Die Verknüpfungspunkten B (Zentrum Gratwein) und E (Bahnhof Gratwein-Gratkorn) stellten die häufigsten Startpunkte in der Marktgemeinde Gratwein-Straßengel dar. Als Ziel wurden die Verknüpfungspunkte C (Rein Gemeinde) und E (Bahnhof Gratwein-Gratkorn) am häufigsten angefahren.
Seit Feber 2018 wird als Entwicklungsschritt ein IT-Tool zur Fahrtenaufzeichnung eingesetzt, welches die händischen Fahrtenbuchaufzeichnungen ersetzt.
Die ausgezeichnete Inanspruchnahme des rufmi unterstreicht den Erfolg und die Notwendigkeit des Mobilitätsangebotes. Dieses Mobilitätsangebot fügt sich in alle weiteren Mobilitätsangebote (S-Bahn, RegioBusse, E-Car-Sharing etc.) in der Marktgemeinde Gratwein-Straßengel ausgezeichnet ein.
Das Projekt „rufmi“ ist mit Bundes- und Landesförderung kofinanziert – der Betrieb ist bis 2020 sichergestellt.

Teilprojekt E-Carsharing „buchmi“ (in Betrieb):
Das E-Carsharing System umfasst zwei Fahrzeuge sowie drei E-Ladestationen (je eine Ladestation an den Stationen an denen das Fahrzeug abgeholt bzw. zurückgegeben wird, und eine Ladestation zusätzlich im Zentrum eines periphereren Siedlungskernes).

Seit Betriebsbeginn im September 2016 fanden insgesamt 904 Fahrten mit dem E-Car-Sharing Angebot buchmi statt. Buchmi 1 mit Standort Judendorf-Straßengel-Zentrum weist dabei 616 und buchmi 2 weist 288 Fahrten auf. Buchmi 1 wird aufgrund von Lagevorteilen deutlich häufiger genutzt. Das Monatsmaximum wurde im April und Mai 2017 mit jeweils 58 Fahrten erreicht. Im Mittel werden mit buchmi 1 rund 38 Fahrten und mit buchmi 2 rund 17 Fahrten pro Monat durchgeführt
Rund zwei Drittel der Fahrten mit dem buchmi sind zwischen 21 bis 40 km lang. 14% der Distanzen liegen über 60 km. Die gesamte Betriebsdauer beider Fahrzeuge beträgt rund 4.050 Stunden.
Mithilfe der fachlichen Abschätzung aus den ersten 16 Betriebsmonaten kann festgestellt werden, dass bisher zwischen 1.000 und 1.300 Personen mit dem E-Carsharing System befördert wurden.
Das Projekt „buchmi“ ist mit Bundes- und Landesförderung Kofinanziert – der Betrieb ist bis 2020 sichergestellt.

Teilprojekt Radverkehrskonzept (in Ausarbeitung):
Das Radverkehrskonzept wird gemeinsam mit der Nachbargemeinde Gratkorn entwickelt, da ein großer Anteil aller Wege zwischen diesen beiden Gemeinden im Alltag stattfinden und sowohl die Distanzen als auch das ebene Gelände ideale Voraussetzungen für das Verkehrsmittel Rad darstellen.
Befragungen und Bürgerforen bestätigten die Notwendigkeit der Herstellung hochqualitativer Infrastruktur – vor allem die Verbesserung der Querung der Eisenbahngleisanlagen und der Mur sind der Bevölkerung ein großes Anliegen. Großes Potenzial besteht bei „Erledigungs- und Einkaufsfahrten“ – die Befragung ergab, dass rund die Hälfte dieser Wege kürzer als 5 km sind und mit dem Pkw zurückgelegt werden.
Das Konzept beinhaltet die Umsetzung von Haupt- und Nebenradrouten in der Länge von 100km sowie rund 40 Abstellanlagen. Begleitet werden diese infrastrukturellen Maßnahmen von bewusstseinsbildenden Maßnahmen, wie die Einbettung von Fahrrad-Aktionen in den Gemeindekalender, das Etablieren eines Kummerkastens für die Bevölkerung, ein Lastenrad- bzw. Fahrradanhänger-Verleih am geplanten multimodalen Knoten und verschiedenen wiederkehrenden Events für die Bevölkerung im Zuge der Infrastruktur-Herstellung.

Teilprojekt Multimodaler Knoten (in Ausarbeitung):
Im Zug des bevorstehenden Umbaus der Bahnhaltestelle „Gratwein-Gratkorn“ durch die ÖBB-Infra erstellt die Gemeinde gemeinsam mit der zuständigen Landesverwaltungsbehörde (Abteilung 16 Verkehr und Landeshochbau) eine Design- und Funktionsstudie zur Umsetzung eines multimodalen Knotens an dieser Haltestelle. Einerseits sollen hier Mobilitätsangebote für die multimodale Abwicklung von Wegeketten zur Verfügung gestellt werden, andererseits wird dabei großer Wert auf die Herstellung hoher Aufenthaltsqualität und prominenter Inszenierung gelegt. Der multimodale Knoten soll zukünftig in der Mitte einer neuen, lückenlosen Fahrrad-Achse zwischen den Gemeindezentren von Gratkorn und Gratwein-Straßengel liegen und so vor allem als Zubringer zur Bahn alltägliche Wege mit Fahrrad und Bahn in Kombination ermöglichen.

Teilprojekt Gesamtverkehrskonzept (GVK):
Das Gesamtverkehrskonzept (GVK) ist Teil des örtlichen Entwicklungskonzeptes 1.00 (ÖEK 1.00), wird als solches rechtlich-bindenden Charakter haben und ist Grundlage des Flächenwidmungsplanes 1.00 (FWP 1.00).
Während die im GVK erarbeiteten, detaillierten und umsetzungsreif formulierten Maßnahmenpakete sehr zielgenau beschrieben werden, sichern die allgemein gehaltenen Leitlinien auch für unerwartete übergeordnete Entwicklungen die Förderung von umweltverträglicher Mobilität und unterstützen so das Programm „Modal Push“ auch in Zukunft.

Gesamtsumme aus allen bisherigen Aktivitäten aller Teilprojekte zwischen 05/2016 bis 04/2018: rund EUR 120.000,00

Einreicher

Marktgemeinde Gratwein-Straßengel, Herr Harald Mulle, Hauptplatz 1, 8111 Gratwein-Straßengel juergen.sorger@verkehrplus.at 069918870731  https://www.gratwein-strassengel.gv.at/

Partner

GU-Taxi OG: Taxi-Dienstleister der Gemeinde für den Mikro-ÖV Bus „rufmi“