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Akzeptanzstudie zu autonom fahrenden Regionalbahnen

Ziele/Ideen

Technologische Neuerungen müssen die Bedürfnisse der NutzerInnen berücksichtigen, um tatsächlich angenommen zu werden. Das heißt, autonom fahrende Regionalbahnen sollten für die bestehenden Fahrgäste weiterhin als attraktiv wahrgenommen werden und ebenso neue potenzielle Fahrgäste ansprechen durch z.B. einen dichteren Takt, besser abgestimmte Anschlüsse usw. Dabei ist ein nutzerfreundlicher Reiseprozess (von der ersten Überlegung zur Wahl des Verkehrsmittels bis zur tatsächlich Ankunft an der geplanten Enddestination) zu berücksichtigen, der Unterstützungs- und Informationsbedarfe bestmöglich integriert, Ängste und Vorbehalte begegnet sowie das Thema der Sicherheit anspricht. Die Studie zeigt konkret jene Aspekte auf, die für die Fahrgäste wichtig sind, um autonome Regionalbahnen zu nutzen. Dieses Wissen sollte in der Vorbereitung, Einführung und Umsetzung dezidiert berücksichtigt werden. Dazu zählen Informations- und Kommunikationsaspekte ebenso wie vertrauensbildende Maßnahmen, die das Gefühl der Sicherheit (in unterschiedlichen Facetten) fördern.

Kurzbeschreibung

Autonomes Fahren von Autos genießt mittlerweile hohe mediale Aufmerksamkeit und ist auch in der breiten Öffentlichkeit zum Inbegriff des technologischen Fortschritts geworden. Bei Zügen im Allgemeinen und bei Regionalbahnen im Besonderen ist das autonome Fahren noch weniger bekannt. Da in Österreich rund die Hälfte der Einwohner in Regionen außerhalb großer Städte lebt, sind Regionalbahnstrecken ein wichtiges Mobilitätsangebot. Um diese attraktiver und energieeffizienter zu gestalten, wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „autoBAHN2020“ neben der technologischen Entwicklung eine Akzeptanzstudie bei den Fahrgästen durchgeführt, mit dem Ziel, die Bereitschaft zur Nutzung selbstfahrender Züge zu untersuchen. Differenziert wurde nach Nutzerverhalten, Bedürfnissen der Reisenden, ebenso wie Assoziationen, Gefühle, gewünschte Voraussetzungen sowie Vor- und Nachteile selbstfahrender Regionalzüge. Die Ergebnisse mündeten in Handlungsempfehlungen sowie Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung.

Resultate

Durch autonomes Fahren von Regionalbahnen können attraktivere Taktfrequenzen neue Zielgruppen zum Bahnfahren bewegen, anstelle den eigenen PKW zu nutzen. Was dabei für die Informations- und Kommunikationskampagne, die Einführungs- und Umsetzungsphase zu beachten ist, zeigt sich aus den Ergebnissen der Studie, denn die grundsätzliche Zustimmung verdeutlicht bereits ein relativ hohes Potenzial. Die Frage "Würden Sie mit diesem Zug reisen, wenn kein Lokführer das Triebfahrzeug steuert?" beantworteten 68 % (n = 1448) mit ja. Nur 13,2 % (n = 1459) gaben an, dass sie unter keinen Umständen einen selbstfahrenden Zug nutzen würden.

Die Fahrgastbefragung verdeutlicht auch, dass die Sicherheit einen zentralen Stellenwert in der Diskussion über autonom fahrende Regionalbahnen einnimmt. Für knapp 70 % wird die Sicherheit beim Bahnfahren generell als sehr wichtig (69 % sehr wichtig, 22 % eher wichtig (n = 1495)) erachtet und sogar etwas mehr fühlen sich während des aktuellen Betriebes auch tatsächlich sehr sicher (72,4 % sehr sicher, 23,6 % eher sicher (n = 1503)).
Hinsichtlich des Zukunftsszenarios der autonom fahrenden Regionalbahnen würde sich jedoch insgesamt etwas mehr als die Hälfte der Befragten vergleichsweise unsicherer (41,7 % unsicherer, 14,4 % viel unsicherer bei selbstfahrenden Zügen (n = 1465)) fühlen. Knapp die Hälfte der Befragten schätzt das Unfallrisiko bei selbstfahrenden Zügen im Vergleich zum derzeitigen Bahnbetrieb höher ein (11,6 % viel höher, 36,1 % höher (n = 1477)).

Dennoch können sich zwei Drittel aller befragten Fahrgäste vorstellen, einen selbstfahrenden Zug ohne Lokführer zu nutzen. Signifikant häufiger ist die Akzeptanz bei Männern, jüngeren Fahrgästen, Vielfahrern und Fahrgästen der Linzer Lokalbahn.
Unter bestimmten Voraussetzungen, wie einer ausgereiften Technik, einer externen Überwachung sowie einer Sprechverbindung in Notfällen wäre es sogar für rund 87 % vorstellbar. Die Anwesenheit eines Zugbegleiters ist für etwas mehr als die Hälfte der Befragten eine Voraussetzung für die Nutzung. Es ist zudem entscheidend, dass autonom fahrende Regionalbahnen von Beginn an ohne Probleme und Zwischenfälle verkehren, um das Vertrauen der Fahrgäste zu gewinnen.

Die Nachteile von selbstfahrenden Zügen sehen die befragten Fahrgäste in einer zunehmenden Verschmutzung, mehr Vandalismus und einer fehlenden Unterstützungsmöglichkeit bei Bedarf.
Als Ablehnungsgrund wurde außerdem häufig der fehlende menschliche Faktor genannt, was wiederum Unsicherheit auslöst. Insgesamt gab die Hälfte der Befragten in der Erhebung an, aktuell einen Zugbegleiter zu benötigen, und ihn auch zukünftig für die Nutzung einer selbstfahrenden Bahn vorauszusetzen.

Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse, können gezielt Maßnahmen getroffen werden, um die Akzeptanz autonom fahrender Regionalbahnen zu unterstützen. Das könnte dazu führen, einerseits die bestehenden Bahnfahrenden weiterhin als Gäste befördern zu dürfen und andererseits neue Personengruppen zu motivieren, ihre Mobilität auf den ÖPNV, sprich die autonom fahrende Regionalbahn, umzustellen. Der Mehrwert würde in wirtschaftlicheren Regionalbahnen und gleichzeitig umweltschonenendem Mobilitäten liegen. Insgesamt könnte dies die (peripheren) Regionen stärken und Zentralräume entlasten.
Im Rahmen des Projekts "autoBAHN2020" wurde in einem gesonderten Arbeitspaket auch die Wirtschaftlichkeit dieses Projekts untersucht. Da sie nicht im Fokus dieser Einreichung zur "Akzeptanz" steht, wird sie nicht näher ausgeführt.

Einreicher

FH Oberösterreich
Frau FH-Prof. Dr. Franziska Cecon
Garnisonstraße 21, 4020 Linz
franziska.cecon@fh-linz.at
0664-8454523

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