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BioHub4All - Kooperative Nutzung landwirtschaftlicher Lagerflächen zur Konsolidierung von Bio-Lebensmittellieferungen

BioHub4All -  Kooperative Nutzung landwirtschaftlicher Lagerflächen zur Konsolidierung von Bio-Lebensmittellieferungen

Ziele/Ideen

Die Nachfrage nach und das Angebot von Bio-Produkten wächst stetig. Absatz und Umsatz steigen seit Jahren konstant. Bereits 21,9% landwirtschaftlich genutzter Flächen in Österreich werden biologisch bewirtschaftet (BMNT, 2017). Viele Bio-Betriebe sind kleinstrukturiert und vertreiben ihre Produkte selbstständig. Die Direktvermarkung ist für viele LandwirtInnen eine zusätzliche Einkommensalternative, aber auch der Versand von Bio-Lebensmitteln gewinnt an Bedeutung. Ein Großteil dieser Bestellungen wird derzeit von den Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern einzeln und vorzugsweise am eigenen Standort abgewickelt. Dies verursacht ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und hohe Transportkosten. Zudem stehen, aufgrund verschiedenster Produktgruppen und individueller Ernte- und Lagerzeiten, saisonal-bedingt viele Lagerflächen frei. Eine kooperative Nutzung dieser freistehenden Lagerflächen und eine zeitliche Konsolidierung der Bestellungen kann die Auslastung der Lagerflächen erhöhen, somit Flächen und Ressourcen einsparen und Kosten senken. Neben der unterschiedlichen Beschaffenheit von Lebensmitteln, variierenden Qualitäten und schwer vorhersehbaren Ernteerträgen, müssen die klassischen Herausforderungen des Versandhandels wie hohe Retourraten und erfolglose Zustellversuche in logistische Konzepte integriert werden. Daher ist eine ganzheitliche Betrachtung der Fragestellungen unter agrarökonomischen und lebensmittelspezifischen Faktoren sowie der Analyse organisatorischer Rahmenbedingungen maßgeblich, um erfolgreiche Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei sollen die Risiken untersucht, Lösungen angeboten und der Nutzen gemeinschaftlicher Systeme für jeden Einzelnen hervorgehoben werden.
Quelle: BMNT (2017) Grüner Bericht 2017 – Bericht über die Situation der österreichischen Land- und Forstwirtschaft. Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Wien.

Kurzbeschreibung

Regionale Bio-Produkte sind wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen, gesunden Ernährung und werden immer mehr nachgefragt. Direktvermarktung und der Online-Versand von Lebensmitteln stellen eine wichtige Einkommensalternative für LandwirtInnen dar. Hauszustellungen von Bio-Lebensmitteln führen zu komplexen logistischen Herausforderungen mit steigenden Auswirkungen auf die Gütermobilität. Konzepte zur gemeinsamen Nutzung landwirtschaftlicher Geräte sind bereits bekannt und sollen nun um logistische Aspekte erweitert werden. Der Fokus liegt auf der kooperativen Nutzung freistehender landwirtschaftlicher Lagerflächen und der Bündelung einzelner Bestellungen. Dies ermöglicht Kosten-, Flächen- und Ressourceneinsparungen sowie reduzierte Emissionen. Durch eine ganzheitliche Betrachtung der Fragestellungen unter agrarökonomischen und lebensmittelspezifischen Faktoren mit logistischen Entscheidungsunterstützungssystemen werden Rahmenbedingungen analysiert und Geschäftsmodelle entwickelt.

Resultate

Aufbauend auf den aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema „Sharing Economy“ und dem, vor allem im deutschsprachigen Raum, während der 1980er Jahre erarbeiteten Ergebnissen zur Teilnahme und Nutzung von Maschinenringen, konnten die wesentlichen theoretischen Dimensionen dieses wirtschaftlichen Konzeptes erarbeitet werden. Erste Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass eine Vielzahl an Bäuerinnen und Bauern über nicht vollständig ausgelastete Lagerflächen verfügen und weisen somit auf das Potential gemeinsamer Nutzungskonzepte hin. In weiteren Schritten werden einzelne Bäuerinnen und Bauern aus der ersten Befragung über Teilnahmebedingungen, mögliche Risiken, Bedenken und Zahlungsbereitschaften befragt.
Es wurden bereits mehrere Strategien entwickelt, die teilweise noch im Detail bewertet und diskutiert werden müssen.
• Erstes Szenario: Gemeinsame Lagerung als Zwischenlagerung, Vertrieb wird von ProduzentInnen selbst geregelt, organisiert.
• Zweites Szenario: Gemeinsame Lagerung und gemeinsamer Vertrieb, BetreiberIn (BesitzerIn/MieterIn) des Kühlhauses übernimmt Risiko aber auch Vertrieb
• Drittes Szenario: Food Coops, gemeinsame Lagerung, Organisation und Vertrieb liegt bei den BetreiberInnen (KonsumentInnen).
Die Darstellung der Anforderungen und Rahmenbedingungen erfolgte durch Datenrecherche und Literaturstudien. So wurde die Ausgangssituation mit den Vorteilen von Bio in einem literaturbasierten, systemtheoretischen Abriss dargestellt, um ein kurzfristiges Denken in nicht vernetzten Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu überwinden. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurden neben einer ausführlichen Darstellung der Bio-Landwirtschaft und des Bio-Marktes in Österreich mittels betriebswirtschaftlicher, handelsbezogener und produktionsspezifischer Daten aufgearbeitet und beschrieben.
• Die produktionsspezifischen Daten beinhalten die Entwicklung der Anzahl der Bio-Betriebe, die regionale Verteilung der Bio-Betriebe, die Entwicklung der Bio-Flächen im Vergleich zu konventionellen Betrieben sowie im europäischen/internationalen Kontext.
• Die betriebswirtschaftlichen Daten zeigen die Entwicklung der Produktion ausgewählter Produktionsbereiche, inkl. Äpfel im Detail auf.
• Handelsbezogene Daten wurden zur Entwicklung der Umsätze des Bio-Gesamtmarktes in Österreich dargestellt, aber auch die Entwicklung des Bio-Marktes in Europa an den Beispielen D, CH und F und Bio global.
Für eine bessere Darstellung der noch folgenden Nutzen/Kosten Analysen seitens der Produzentinnen und Produzenten, der VersenderInnen und KonsumentInnen wurde eine ausführliche Literaturstudie zum Begriff „Sharing Economy“ durchgeführt.
Das entwickelte Entscheidungsunterstützungssystem basiert derzeit auf der Wertschöpfungskette eines verderblichen Produktes. Hierfür wurden Modelle zur Berechnung der biologischen Haltbarkeit abhängig von Lager- und Transportbedingungen in logistische Planungs- und Optimierungsmodelle integriert, um die besonderen Anforderungen dieser Lebensmittel zu berücksichtigen. Die ersten Optimierungsverfahren zur Nutzung freistehender Lagerflächen wurden bereits implementiert, müssen allerdings noch verbessert und auf ein größeres Produktsortiment mit mehreren idealen Lagertemperaturen erweitert werden.
Das Projekt zielt darauf ab, ein Tool zu entwickeln, welches den Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern aufzeigt, was sie mit gemeinsamer Lagerung und einem gemeinsamen Vertrieb erreichen können. Welche Kosten können eingespart werden? Was gewinnen sie, wenn sie ihr Kühlhaus zur Verfügung stellen? Wie kann ein gemeinsamer Vertrieb funktionieren und welche Vorteile ergeben sich dadurch? Gibt es eine Alternative für die Anschaffung eines teuren Kühlhauses, welches die Hälfte des Jahres leer steht? Zusätzlich sollen mögliche Risiken, Hemmschwellen und Anforderungen beachtet und Lösungsansätze angeboten werden.
Das Projekt soll eine nachhaltige Entwicklung fördern und neue Optionen für kleinstrukturierte Betriebe aufzeigen.

Einreicher

Universität für Bodenkultur Wien - Institut für Produktionswirtschaft und Logistik Frau DI Magdalena Leithner Feistmantelstraße 4, 1180 Wien magdalena.leithner@boku.ac.at +43 1 47654-73413+43 699 11003392http://www.wiso.boku.ac.at/pwl/

Partner

Bio Austria: Projektpartner

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