Einstreifige Kernfahrbahn und Schutzstreifen – mehr Sicherheit für Fuß- und Radverkehr

Einreichende Institution: Hochschule Darmstadt
Jahr: 2026
Projektbild 26217

Ziele/Ideen

Das niederländische Regelwerk enthält Markierungsoptionen bis hin zu einer einstreifigen Kernfahrbahn. In diesem Modell müssen Kfz bei Begegnung die Schutzstreifen überfahren und so bewusst in den Raum des Radverkehrs ausweichen. Dieser Ansatz hat sich in vielen Nachbarländern bewährt. Die französische Straßenverkehrsordnung wurde nach Verkehrsversuchen im Jahr 2015 für neue Markierungsvarianten bei Schutzstreifen für den Radverkehr geöffnet. In der Schweiz laufen seit 2019 erfolgreiche Verkehrsversuche mit schmaler Kernfahrbahn, die aufgrund der positiven Erfahrungen nicht mehr zurückgenommen wurden. In Deutschland fehlen Erkenntnisse zur Wirkung einstreifiger Kernfahrbahnen mit Schutzstreifen. Aufgrund eines notwendigen Netzschlusses für den Radverkehr und fehlender baulicher Optionen hat die Stadt Heusenstamm 2022 initiiert durch die Hochschule die Rahmenbedingungen für einen Verkehrsversuch mit einstreifiger Kernfahrbahn und Schutzstreifen geschaffen und bis 2026 verlängert.

Kurzbeschreibung

In der Praxis werden Schutzstreifen häufig von Kfz auch außerhalb von Begegnungssituationen mitgenutzt. Die Begrenzungslinie wird als Leitlinie missverstanden. Der nach StVO vorgeschriebene Sicherheitsabstand innerorts von 1,50 m zum Radverkehr wird dadurch oft unterschritten. Insbesondere Fahrbahnbreiten zwischen 6,0 und 8,0 m stellen eine Herausforderung dar, da hier die Interessen von Radfahrenden, Kfz-Verkehr und zu Fuß Gehenden häufig im Konflikt stehen. Bei einer Kernfahrbahnbreite unter 4,50 m bleiben die Fahrzeuge im Begegnungsfall hinter den Radfahrenden. Aufgrund baulich fehlender Optionen wurde im Rahmen eines Verkehrsversuchs eine neue Querschnittsaufteilung mit einstreifiger Kernfahrbahn (3,00 m) und beidseitigen Schutzstreifen (1,50 m) in Heusenstamm getestet, um einen verbesserten Schutz des Fuß- und Radverkehrs zu erreichen und geringe Sicherheitsabstände beim Überholen zu vermeiden. Dadurch soll der Radverkehrsanteil auf der Fahrbahn gesteigert werden.

Resultate

Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die neue Querschnittsaufteilung zu einer Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Verkehrsqualität beiträgt, ohne den Kfz-Verkehr zu beeinträchtigen. Im Verkehrsfluss des motorisierten Verkehrs konnten keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden, gleichzeitig ist die Anzahl der Kfz leicht rückläufig (-10%). Die klare Gliederung der Verkehrsflächen reduziert Konflikte zwischen den Verkehrsarten und verbessert insbesondere das Überholverhalten des Kfz-Verkehrs. Rund 80 % der Radfahrenden werden nicht mehr überholt, zugleich treten größere und regelkonforme Überholabstände häufiger auf (ca. +15 %). Darüber hinaus konnten während des Untersuchungszeitraums keine Unfälle festgestellt werden. Parallel stieg der Radverkehrsanteil um rund 20 %, was auf eine erhöhte subjektive Sicherheit schließen lässt. Durch die Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn wurden keine Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr im Seitenraum mehr beobachtet.

Einreicher

Hochschule Darmstadt

Partner

Stadt Heusenstamm: umsetzende Kommune

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